Epidemiologisches Bulletin 39.03
Um den Gesundheitszustand der Bevölkerung bzw. bestimmter Bevölkerungsgruppen zu kennen, Vergleichswerte zu ermitteln und Defizite aufzuzeigen, sind repräsentative Erhebungen gesundheitsrelevanter Daten notwendig. Sie bilden die Basis für gesundheitspolitische Entscheidungen. Insbesondere ist die Kenntnis häufiger Gesundheitsprobleme der jungen Generation unschätzbar wichtig. Der vom RKI initiierte und koordinierte Kinder- und Jugendsurvey (KIGGS), über den schon mehrfach im Epidemiologischen Bulletin (Ausgaben 14, 29 und 34/2003) berichtet wurde, ist eine bundesweit angelegte Studie, deren Ergebnisse unmittelbar der Gesundheitspolitik zugänglich gemacht werden und die bei der Festlegung prioritärer Gesundheitsziele für Kinder und Jugendliche helfen soll. So kann auf Gesundheitsprobleme mit zielgerichteten präventiven und therapeutischen Programmen reagiert werden.
Hierzu kann jeder einzelne Teilnehmer einen wichtigen Beitrag leisten. Durch seine Mitwirkung trägt er zur Einschätzung der Gesundheitslage von allen Kindern und Jugendlichen hierzulande bei und dient so dem Wohl der Allgemeinheit (gesellschaftlicher Nutzen). Im Laufe des Survey zeigt sich, dass einige Eltern die mit dem KIGGS verbundenen Tests und Untersuchungen als zusätzliche Belastung für ihr Kind empfinden und unter Umständen sogar die Teilnahme verweigern. Sie sehen nicht die neben dem bereits Geschilderten deutlichen Vorteile auch für das einzelne teilnehmende Kind oder den Jugendlichen. Aus diesem Grund werden an dieser Stelle nochmals Ärzte und Mitarbeiter des ÖGD, die im Umfeld der Sample-Points des Kinder- und Jugendsurvey tätig sind, gebeten, aktiv bei der Vermittlung der positiven Aspekte für jeden einzelnen Teilnehmer mitzuwirken.
Die Übungen werden in einer entspannten Atmosphäre spielerisch durchgeführt und bereiten erfahrungsgemäß den meisten Kindern und Jugendlichen Spaß. (Als Dankeschön darf sich jedes Kind abschließend noch ein Geschenk aussuchen. Die Jugendlichen erhalten eine finanzielle Aufwandsentschädigung.) Auffälligkeiten und Defizite können den Eltern und behandelnden Ärzten rasch mitgeteilt werden. So ist es möglich, weiterführende diagnostische und therapeutische Maßnahmen frühzeitig einzuleiten. Außerhalb der üblichen Vorsorgeuntersuchungen beim Kinderarzt werden im Rahmen des KIGGS den Teilnehmern kostenfrei medizinische Untersuchungen angeboten, die weder zu den Vorsorgeuntersuchungen (U1–U9 oder J1) gehören, noch Teil des ärztlichen Routineprogramms sind. So können beispielsweise durch eine Blutuntersuchung versteckte Nährstoff- oder Vitaminmangelzustände oder bisher symptomlose Stoffwechselerkrankungen aufgedeckt werden. Der Erfolg bereits durchgeführter Impfungen wird anhand der Antikörperspiegel kontrolliert, Sensibilisierungen gegen häufige Allergene können durch die Untersuchung des Serums erkannt werden. Deutschland ist ein Jodmangelgebiet. Bei Kindern ab dem 11. Lebensjahr wird sonographisch das Schilddrüsenvolumen ermittelt, so dass in Verbindung mit den im Serum gemessenen Schilddrüsenhormonen eine umfassende Beurteilung der Schilddrüsenfunktion erfolgen kann.
Die Ergebnisse werden den Eltern mitgeteilt, pathologische Urinbefunde sogar noch am Tag der Untersuchung.
Die aufgeführten Tests sind Beispiele für Untersuchungen, die ohne Vorliegen einer Indikation von keiner Krankenkasse bezahlt werden und dem Probanden alternativ nur bei Selbstzahlung zur Verfügung stehen würden.
Auch die Teilnehmer, die regelmäßig einen Haus- oder Kinderarzt aufsuchen, erhalten durch die Ergebnisse der medizinischen Survey-Untersuchungen zusätzliche Informationen zu ihrem Gesundheitszustand und können diese ihren behandelnden Ärzten zur Kenntnis geben. Dies trifft auch dann zu, wenn sich die Teilnehmer völlig gesund fühlen, da verdeckte gesundheitliche Störungen nachgewiesen werden können. Hiervon profitiert insbesondere die Altersgruppe der 7- bis 10-Jährigen, da bei den Vorsorgeuntersuchungen (U1–U9 und J1) eine Lücke entsteht, die durch eine Teilnahme am Survey geschlossen werden kann. In Verbindung mit den Ergebnissen der Schuleingangsuntersuchungen können so Aussagen über Entwicklungen des Gesundheitszustandes oder den Beginn bzw. den Verlauf von Störungen mit zunehmendem Alter getroffen werden.
Insgesamt bietet der Survey dem Einzelnen die Möglichkeit, individuelle Gesundheitsstörungen frühzeitig zu erkennen.
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