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Zur Erhebung des Impfstatus

Epidemiologisches Bulletin 49.03

Daten zu Impfraten bei Kindern und Jugendlichen sind unverzichtbarer Bestandteil der Beurteilung der gesund-heitlichen Gefährdung von Kindern und Jugendlichen durch Infektionskrankheiten. Die Impfraten geben gleichzeitig wertvolle Hinweise zur Effektivität von
Versorgungsstrukturen und zum Gesundheitsverhalten von Familien, Kindern und Jugendlichen. Repräsentative stratifizierte Daten zu Durchimpfung von Kindern und Jugendlichen in Deutschland sind außerdem notwendig, um Effekte bestehender
Interventionsmaßnahmen zu evaluieren und Strategien für das gezielte Schließen von Impflücken zu planen. Impfraten sollten deshalb stratifiziert nach Geschlecht, Alter, soziodemographischen, regionalen und weiteren für die Gesundheit relevanten Variablen betrachtet werden können. Impfraten sind nur ein Parameter der infektionsepidemiologischen Surveillance. Sie müssen durch Daten zu Antikörperprävalenz und zur Inzidenz von impfpräventablen Erkrankungen wie z. B. Masern, Mumps, Röteln, Hepatitis A und B, Varizellen und Poliomyelitis ergänzt werden, um wirksame Programme zu deren Bekämpfung planen zu können.

Für Deutschland liegen repräsentative Daten zu Impfraten nur zum Zeitpunkt des Schuleintritts vor (Meldepflicht nach § 34 Abs. 11 IfSG). Querschnittsdaten zu anderen Zeitpunkten (Kindergarteneintritt, Kindergarten-reihenuntersuchung, Schuluntersuchungen) sind zusätzlich für einzelne Bundesländer oder Regionen vorhanden. Einzelne Studien erfassen Impfraten zu unterschiedlichen Zeitpunkten oder im Zusammenhang mit der Inanspruch-nahme von Vorsorgeleistungen. International werden Impfraten von Kindern im Alter von 24 Monaten als unverzichtbarer Bestandteil zur Planung und Evaluation von Impfprogrammen gefordert. Die bisher am RKI vorhandenen Daten zur Durchimpfung von Kindern erlauben generelle Aussagen nur zum Zeitpunkt des Schul-eingangs und enthalten keine Informationen zu speziellen Risikogruppen. Damit sind detaillierte Auswertungen zur Planung zielgruppengerichteter Interventionsmaßnahmen bisher nicht möglich. Im Kinder- und Jugendsurvey sollen deshalb erstmals an einem repräsentativen Kollektiv von Kindern und Jugendlichen Aussagen zum altersgerechten Impfschutz für alle Altersgruppen getroffen und diese mit soziodemographischen und seroepidemiologischen sowie weiteren gesundheitsrelevanten Ergebnissen verknüpft werden.

Die differenzierte Analyse von Impfpässen bedeutet in der Regel einen nicht unerheblichen Zeitaufwand und die Erstellung einer differenzierten Datenbank ist zeitgleich zur Untersuchung im Feld nicht möglich. Deshalb wird eine vereinfachte Dokumentation des Impfstatus bereits vor Ort während des ärztlichen Interviews (CAPI) in eine Datenbank eingegeben. Diese Dokumentation ist auch Grundlage der vor Ort stattfindenden Beratung der Familien, Kindern und Jugendlichen zum Schließen von Impflücken. Im Rahmen des computerassistierten ärztlichen Interviews (CAPI) werden durch Elternbefragung und Kontrolle des Impfpasses folgende Angaben erfasst:

- Vorliegen des Impfausweises,
- genereller Impfstatus (Grundimmunisierung, Auffrischungsimpfung,
  Zeitgerechtigkeit) und
- absolute Anzahl der verabreichten Dosen für die einzelnen
  Impfungen.

Mit diesem Erhebungsinstrument ist es möglich, ohne großen Aufwand relativ schnell und einfach Aussagen zum Impfstatus der Kinder, die am Kinder- und Jugendsurvey teilnehmen, zu erhalten: z. B. Anzahl der Impfungen in unterschiedlichen Altersgruppen, Anteil der nicht geimpften Kinder, Anzahl der Kinder mit speziellen Impfungen (z. B. Pneumokokken, Meningokokken, Varizellen, FSME). Um Ursachen fehlender Impfungen aufzudecken, werden außerdem Fragen zum Grund nicht erfolgter Impfungen, zu aufgetretenen Impfreaktionen oder eventuell beobachteten Komplikationen und zur Verfügbarkeit von wichtigen Informations- und Beratungsquellen zu Impfungen gestellt.

Die Erhebung des Impfstatus im Kinder und Jugendsurvey wird somit für Deutschland erstmals einen repräsentativen Gesamtüberblick über den Schutz vor impfpräventablen Infektionskrankheiten im Zusammenhang mit weiteren soziodemographischen und gesundheitsrelevanten Daten für alle Altersgruppen ermöglichen und wird somit eine wichtige Grundlage zielgerichteter Maßnahmen zur Erhöhung der Durchimpfungsraten sein können.

Mitteilung aus der Abteilung für Infektionsepidemiologie des RKI. Ansprechpartnerin ist Frau Dr. C. Meyer (MeyerC@rki.de).

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