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Zur Erhebung von Daten zur Gesundheit von Migrantenkindern

Epidemiologisches Bulletin 07.04

Eines der Anliegen von KiGGS ist es, erstmals aussagekräftige Daten zum Gesundheitszustand von Kindern und Jugendlichen aus Migrantenfamilien zu gewinnen. Dazu ist es erforderlich, dass sich eine ausreichende Zahl von Migranten an der Studie beteiligt. Wie die Ergebnisse der Pilotphase des Surveys zeigen, bestehen aber für Migranten höhere Schwellen für eine Teilnahme. Ein Grund für die Nichtteilnahme sind erwartungsgemäß Sprachbarrieren. Migranten sind außerdem seltener erreichbar als Nichtmigranten. Dies ist vermutlich darauf zurückzuführen, dass sie überwiegend in Großstädten leben und jüngeren Alters sind und Großstädter sowie jüngere Menschen generell schlechter erreichbar sind. In der Pilotstudie begründeten Migranten ihre Nichtteilnahme am häufigsten mit fehlendem Interesse an der Studie. Hinter dieser Begründung verbirgt sich u. a. bei aufenthaltsrechtlicher Unsicherheit die Angst vor einer Gesundheitskontrolle mit möglichen negativen Konsequenzen, die Furcht, für die medizinischen Untersuchungen etwas bezahlen zu müssen, oder aber die Überzeugung, Gesundheitsuntersuchungen seien nur im akuten Krankheitsfall sinnvoll.

Mit KiGGS können Maßstäbe für eine migrantensensible epidemiologische Forschung gesetzt werden. Die im Folgenden dargestellten besonderen Anstrengungen, um die Teilnahme von Migranten zu erhöhen, sind ein Novum für bundesweite Gesundheitssurveys.

- Ziehung einer überproportionalen Stichprobe von Kindern und
  Jugendlichen mit nichtdeutscher Staatsangehörigkeit (Oversampling)
  im Rahmen der Stichprobenziehung über das
  Einwohnermelderegister.
- Versendung deutscher und übersetzter Einladungsschreiben.
- Zuordnung des übersetzten Anschreibens zur richtigen
  Herkunftssprache unter Anwendung eines Onomastik-Verfahrens,
  das ausgehend von Vor- und Zunamen Rückschlüsse auf die
  jeweilige Sprache erlaubt.
- Eingehen und Entkräften typischer Vorbehalte und Ängste in den
  Einladungsschreiben.
- Flankierende migrantenspezifische Öffentlichkeitsarbeit durch die
  Einbeziehung von Medien, die sich an in Deutschland lebende
  Migranten richten.
- Information möglicher Multiplikatoren wie Ausländerbeauftragte,
  Mitarbeiter von Beratungsstellen, islamischen Gemeinden und
  Migrantenorganisationen über die Ziele der Studie.
- Differenzierte Non-Responder-Analysen nach Migrantengruppen als
  Basis für eine zielgerichtete Öffentlichkeitsarbeit.
- Einsatz von in sechs Sprachen übersetzten Fragebögen in den
  Untersuchungszentren (Arabisch, Englisch, Russisch,
  Serbokroatisch, Türkisch, Vietnamesisch) um eine Teilnahme auch
  bei geringen Deutschkenntnissen zu ermöglichen.

Oftmals scheitern migrantensensible Auswertungen nicht nur an zu geringen Fallzahlen, sondern auch an der fehlenden Möglichkeit, Migranten als solche im Datensatz zu identifizieren. Das in der Befragung des KiGGS eingesetzte Instrument erlaubt es, Migranten (inkl. Eingebürgerte, Aussiedler und Kinder mit doppelter Staatsangehörigkeit) und Kinder, die in binationalen Familien leben, zu erkennen. Sofern es gelingt, Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund in ausreichender Zahl in die Studie einzubeziehen, sind damit die Voraussetzungen für eine migrantensensible Datenauswertung gegeben.

Mitteilung aus der Abteilung für Epidemiologie und Gesundheits-berichterstattung des RKI. – Anfragen per E-Mail an: Frau Liane Schenk (SchenkL@rki.de).

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