Epidemiologisches Bulletin 20.04
Mit der Entscheidung, die Planung, Organisation sowie die Durchführung des KiGGS komplett durch das RKI zu realisieren, entstand auch die Notwendigkeit, die datentechnischen Voraussetzungen nicht nur für die Erfassung und Analyse der epidemiologischen Daten, sondern auch für die Unterstützung der allgemeinen Geschäftsabläufe im Projekt zu schaffen. Basierend auf den Erfahrungen aus dem Pretest, wurde ein Pflichtenheft für das Datenmanagement erstellt.
In einem ersten Schritt galt es dann zunächst, eine Softwarelösung zur Verwaltung des Ablaufs und der anfallenden Daten zu entwickeln. Diese zentrale Komponente, auch Verwaltungsdatenbank genannt, wurde auf Basis des Datenbanksystems MS SQL-Server 2000 realisiert. Sie stellt folgende Funktionen zur Verfügung:
- Verwaltung der Samplepointstammdaten (Name, Bundesland,
Einwohnerzahl etc.)
- Verwaltung von Mitarbeiterdaten (inkl. Datenzugriffskontrolle)
- Verwaltung von Kontaktadressen (Bürgermeister, Gesundheitsämter,
Kirchen etc.)
- Lagerverwaltung und Steuerung der Feldlogistik
- Serienbriefverwaltung, Versanddokumentation (Einladungsschreiben,
Erinnerungsschreiben etc.)
- Stichprobenziehung (Kern und Module von KiGGS)
- Responseanalyse
- Qualitätssicherung (Routinen zur Datenprüfung und Validierung)
- Berichtswesen
- Terminverwaltung zur Steuerung der Geschäftsprozesse
Besondere Bedeutung kam der Entwicklung einer flexiblen Schnittstelle für den Datenimport und -export zu, denn eine Vielzahl der notwendigen Prozessdaten wird in unterschiedlichsten Datenformaten durch externe Partner (Auftragslabore, Einwohnermeldeämter) zur Verfügung gestellt.
In einem zweiten Entwicklungsabschnitt wurde eine Softwarelösung entwickelt, die in elektronischer Form vorliegende Labordaten, welche aus drei verschiedenen Laboratorien geliefert werden, importiert, auf ein Standardformat transformiert und validiert. Dieses System unterstützt weiterhin den Laborarzt bei der technischen und medizinischen Qualitätssicherung sowie den Kinderarzt bei der Erstellung der Befundmitteilungen an die Probanden.
Im letzten Entwicklungsschritt ging es um die Planung und Realisierung der Abläufe bei der Speicherung der erhobenen epidemiologischen Daten. Der Gesamtdatensatz eines Probanden wird aus Teildaten gebildet:
- Fragebogendaten (Elternfragebogen, Kinderfragebogen etc.)
- Laborwerte
- Daten des medizinischen Messbogens (Gewicht, Größe etc.)
- CAPI-Daten (ärztliches Interview)
- Daten von div. Tests (Ergometer, Aktometer, Reaktionstest, etc.)
Aufgrund unterschiedlicher Erhebungsinstrumente liegen die Daten sowohl in elektronischer als auch in Papierform vor. Die Daten werden zu weiteren Verarbeitung, sofern sie in elektronischer Form vorliegen, automatisch in eine Datenbank importiert und mittels einer Vielzahl von Prüfroutinen automatisch validiert. Erweist sich ein Datensatz als nicht plausibel oder fehlerhaft, so wird dieser mit Hilfe eines Regelwerks wenn möglich korrigiert oder als ungültig gekennzeichnet. Anschließend werden die Daten in ein SPSS Datenfile exportiert. Dagegen werden die in Papierform vorliegenden Daten der Fragebögen mittels SPSS Data Entry direkt in ein SPSS Datenfile manuell erfasst. Nach Vorliegen aller Einzeldaten eines Untersuchungszentrums werden die Teildatenbestände einem Gesamtabgleich unterzogen und auf Vollständigkeit und Vollzähligkeit geprüft.
Fazit: Die erfolgreiche Planung, Organisation und Durchführung eines Surveys in dieser Größenordnung kann nur mit intensiver DV-technischer Unterstützung erfolgen. Der Fokus des Datenmanagements kann sich nicht allein auf die Verwaltung der Erhebungsdaten beschränken, sondern muss in gleichem Maß Instrumente zur Verwaltung und Kontrolle von Prozessdaten zur Steuerung der Geschäftsprozesse liefern. Aufgrund der Vielzahl und Komplexität der Einzelaufgaben muss das Datenmodell ein hohes Maß an Flexibilität und Stabilität gewährleisten.
Mitteilung aus der Abteilung für Epidemiologie und Gesundheitsberichterstattung des RKI. Anfragen zu KiGGS unter: KiGGS@RKI.de.
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