Epidemiologisches Bulletin 28.04
Über den Kinder- und Jugendgesundheitssurvey (KiGGS) des Robert Koch-Instituts, seine Konzeption und Inhalte wurde bereits mehrfach an dieser Stelle berichtet (s. Epid. Bull. 14, 29, 34, 39, 45, 49/2003 sowie; 1, 7,10, 15, 20, 23/ 2004). Der bundesweite Kinder-Umwelt-Survey des Umweltbundesamtes – KUS – wird in enger Kooperation mit KiGGS durchgeführt. Über die Inhalte und Ziele von KUS soll in diesem und in einem weiteren Beitrag zu einem späteren Zeitpunkt, informiert werden.
Die derzeit verfügbaren Informationen über gesundheitsbezogene Umweltbelastungen und umweltbezogene gesundheitliche Beeinträchtigungen der kindlichen Bevölkerung in Deutschland sind äußerst lückenhaft und lassen keine durch repräsentative Daten gestützten Aussagen über die Situation zu. Um diese Defizite zu beheben, bedarf es einer gezielten und anhaltenden Beobachtung der Belastung der heranwachsenden Bevölkerung durch chemische, physikalische und biologische Umweltparameter.
Zur Lösung dieser Aufgabe hat das Umweltbundesamt (UBA) den Kinder-Umwelt-Survey (KUS) konzipiert. Dabei wurde auf den langjährigen Erfahrungen und Erkenntnissen aus Fallstudien und früheren repräsentativen Umwelt-Surveys für Erwachsene aufgebaut. Das nach Prüfung datenschutzrechtlicher und ethischer Fragen in einer einjährigen Pilotphase getestete Projekt wurde auch durch Experten begutachtet. Diese waren von den an der Finanzierung beteiligten Bundesministerien für Bildung und Forschung (BMBF) und für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU) bestellt worden.
Seit Mai 2003 werden bei 1.800 Kindern im Alter von 3–14 Jahren, die aus der Stichprobe des KiGGS zufällig gezogen wurden, in 150 Orten Deutschlands umfangreiche Daten zu Umweltbelastungen erhoben. Die Erhebung der Daten erfolgt über einen Zeitraum von drei Jahren.
Folgende Parameter werden dabei als thematische Schwerpunkte durch Messungen oder Befragung der Probanden erfasst:
- korporale Exposition (Human-Biomonitoring),
- Schadstoffe in Wohnräumen und im häuslichen Trinkwasser
(Innenraum-Monitoring),
- umweltbedingte Allergien des Atemtraktes und Kontaktallergien,
- umweltbedingte Reizungen der Augen, Nase und Kehle,
- Lärmbelastungen, Hörfähigkeit und Stressparameter (Cortisol,
Adrenalin, Noradrenalin im Urin).
Die Ziele und der Nutzen der Studie sind:
- die Erfassung, Bereitstellung, Aktualisierung und Bewertung von
repräsentativen Daten für eine gesundheitsbezogene
Umweltbeobachtung und -berichterstattung auf nationaler Ebene,
- die Identifikation gesundheitsrelevanter Umweltbelastungen,
- das Aufzeigen von Möglichkeiten zur Verringerung und Vermeidung
von Umweltbelastungen,
- die Bildung einer Datenbasis für die Ableitung von Referenzwerten
zur bundeseinheitlichen Bewertung von Schadstoffbelastungen,
- das Aufzeigen von zeitlichen und regionalen Entwicklungen der
Belastungen mit Umweltschadstoffen und von umweltrelevanten
Verhaltensweisen, die zu solchen Belastungen führen können,
- die Überprüfung des Erfolges umwelt- und gesundheitspolitischer
Maßnahmen anhand vorhandener Vergleichsdaten,
- Bereitstellung eines public use file für die weitere Forschung.
Neben den bereits dargelegten Zielen und Nutzen dient KUS auch der Erfüllung international eingegangener Verpflichtungen, z. B. im Rahmen der Interministeriellen Konferenzen über „Umwelt und Gesundheit“ in London 1999 und Budapest 2004.
Im Rahmen der Erhebung werden Eltern und über 8-jährige Kinder befragt, physikalische Messungen (Schallpegelmessung und Audiometrie) und chemische Analysen von Umweltproben aus den Haushalten (Trinkwasser am Zapfhahn in der Küche, Hausstaub und Innenraumluft) durchgeführt. Darüber hinaus werden Blut- und Urinproben der Kinder laborchemisch analysiert.
Mitteilung aus der Abteilung Umwelthygiene des UBA. Projektleiterin ist Frau Dr. E. Roßkamp, Koordinatorin und Ansprechpartnerin für Rückfragen ist Frau C. Schulz (E-Mail: christine.schulz@uba.de).
Weitere Informationen zur Studie finden sich im Internet unter www.umweltbundesamt.de/survey/index.htm.
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