Frau Hölling ist von Anfang an dabei und kennt sich bestens mit der Studie aus. Deshalb haben wir sie gefragt:
Warum wird die Studie eigentlich fortgesetzt?
Als wir die erste KiGGS-Studie durchgeführt haben, wollten wir wissen, wie es den Kindern und Jugendlichen in Deutschland gesundheitlich geht. Inzwischen ist viel Zeit vergangen und keiner weiß, ob die Zahlen von damals heute auch noch aktuell sind. Wir setzen die Studie deshalb von 2009 bis 2012 fort, um aktuelle Gesundheitsdaten zu sammeln.
Warum sollte es den Kindern denn heute anders gehen als damals?
Ob ein Mensch gesund ist, hängt von sehr vielen Dingen ab. Einen Einfluss hat zum Beispiel, ob jemand sportlich tätig ist oder wie sehr jemand auf eine gesunde Ernährung achtet. Ein anderes Beispiel ist, welche Gesundheitsprogramme in der Schule oder im Kindergarten durchgeführt werden. Es gibt noch viel mehr Dinge, die die Gesundheit beeinflussen können. Mit der Zeit können sich diese Dinge ändern und so beeinflussen, wie gesund wir sind oder wie gesund wir uns fühlen. Solche Veränderungen wollen wir aufdecken.
Werden diesmal also ganz andere Ergebnisse herauskommen als beim letzten Mal?
Nein, es ist nicht zu erwarten, dass wir in dieser Studie bei allen Themen ganz andere Zahlen herausbekommen als beim ersten Mal. Interessant ist aber, ob und wo es bedeutende Veränderungen gibt und warum. Um wirklich große Veränderungen festzustellen, muss man in längeren Zeitabständen Eltern und ihre Kinder immer wieder zu Studien einladen. Es ändert sich ja nicht alles von heute auf morgen.
Und warum laden Sie die Kinder und Jugendlichen von damals wieder ein?
Man hätte andere Kinder ganz neu auswählen und einladen können. Wenn aber möglichst viele von damals auch diesmal wieder mitmachen, hat das einen großen Vorteil: Man kann genau gucken, bei welchen Gruppen von Kindern sich beispielsweise die gesundheitliche Situation seit damals verbessert oder verschlechtert hat – und ermitteln, woran das gelegen haben könnte. Mit ganz neu ausgewählten Kindern und Jugendlichen wäre das nicht möglich.
Aber die Kinder und Jugendlichen sind doch inzwischen alle viel älter geworden. Viele sind schon erwachsen…
Viele sind tatsächlich schon erwachsen und fragen sich vielleicht, warum sie jetzt zu einer Studie für Kinder- und Jugendliche eingeladen werden. Dahinter steht jedoch eine klare Frage: Inwiefern wird in der Kindheit der Grundstein für die Gesundheit im Erwachsenenalter gelegt. Und die jungen Erwachsenen befinden sich in einem spannenden Lebensabschnitt. Einerseits sind sie noch sehr von den Eltern geprägt, andererseits bauen sie sich aber gerade ein eigenes Leben auf. Deshalb hoffen wir, dass möglichst viele der jungen Erwachsen auch diesmal wieder mit dabei sind – auch wenn unsere Studie vom Namen her vielleicht nicht mehr ganz passt …
Machen auch Kinder mit, die zum ersten Mal eingeladen werden?
Ja, das sind Kinder in der Altersgruppe, die vom Säugling bis zum Sechsjährigen reicht. Die machen aber nicht selbst mit, sondern wir befragen ihre Eltern. Die Kinder, die in unserer ersten Studie in diesem Alter waren, sind ja inzwischen etwa 6 Jahre älter geworden. Kinder in diesem Alter fehlen uns also. Deshalb wählen wir in jedem Ort auch Kinder in diesem Alter neu aus und laden ihre Eltern ein.
Übrigens gibt es in Thüringen auch noch unser „Landesmodul“. Das hat das Thüringer Gesundheitsministerium in Auftrag gegeben. In Thüringen haben wir 27 Orte zusätzlich für die Studie ausgewählt. Da diese Orte bei der ersten Studie noch nicht dabei waren, machen alle Teilnehmer aus diesen Orten zum ersten Mal mit. Eingeladen werden Kinder und Jugendliche von 0 bis 17 Jahren.
Gibt es diesmal auch wieder die Untersuchungszentren?
Bei unserer ersten Studie haben wir 167 Städte und Gemeinden als Untersuchungsorte ausgesucht. Jeden dieser Orte haben wir für zwei Wochen besucht und dort ein kleines Untersuchungszentrum aufgebaut. Dort haben wir schriftliche Befragungen sowie medizinische Untersuchungen durchgeführt. So eine Studie ist jedoch ganz schön aufwendig. Und auch sehr teuer. Deshalb haben wir ganz genau überlegt, ob es wirklich notwendig ist, so etwas jetzt schon wieder zu machen – und sind zu dem Ergebnis gekommen, dass es ausreichend ist, diesmal nur die Befragungen zu machen. Die Untersuchungen können wir dann in ein paar Jahren noch mal machen.
Dann bekommen die Teilnehmer diesmal Fragebögen zugeschickt?
Nein, wir schicken keine Fragebögen. Wir machen telefonische Interviews. Die sind ganz praktisch.
Wieso?
Zuerst einmal spart man sich das Verschicken der Fragebögen. Außerdem geht die Befragung am Telefon meist viel schneller. Denn man kann beim Interview automatisch Fragen weglassen, die für den Befragten gar nicht notwenig sind. Wenn jemand zum Beispiel sagt, dass er in letzter Zeit beim Arzt war, dann fragen wir auch, bei welchem. Das brauchen wir aber nicht zu fragen, wenn jemand gar nicht beim Arzt gewesen ist. Beim Interview wird das dann einfach automatisch übersprungen. Der Papierfragebogen wäre dagegen sehr dick, da dort alle Fragen drin stehen müssten.
Aber wer wird nun befragt: Die Kinder selbst oder die Eltern?
Bei den Kleinen fragen wir nur die Eltern, bei den 11- bis 17-Jährigen führen wir die Interviews sowohl mit den Kindern und Jugendlichen als auch mit deren Eltern. Und wer schon erwachsen ist, wird natürlich persönlich eingeladen und gefragt. Da haben die Eltern ja nichts mehr zu melden ;-)
Stand: Januar 2011