Die KiGGS-Studie schließt Informationslücken und berücksichtigt körperliche, seelische und soziale Aspekte von Gesundheit.
Wandel des Gesundheitsbegriffs
In den westlichen Industrieländern ist im zurückliegenden Jahrhundert ein historisch beispielloser Rückgang der Säuglings-, Kinder- und Müttersterblichkeit kennzeichnend für eine gute gesundheitliche Entwicklung. Heute ist die Vermeidung des Todes deshalb als gesundheitspolitisches Anliegen eher in den Hintergrund getreten. Seinen Ausdruck findet dies in der Änderung des WHO-Slogans von „add years to life“ in „add life to years“. Auch der WHO-Gesundheitsbegriff trägt diesen neuen Entwicklungen Rechnung, indem er das körperliche, seelische und soziale Wohlsein als Komponente von Gesundheit betont.
Unzureichende Datenlage
Durch die Schwerpunktverschiebung ergibt sich jedoch ein völlig neuer Bedarf an Daten und Erkenntnissen zur gesundheitlichen Situation von Kindern und Jugendlichen. Die existierenden amtlichen Statistiken, Prozessdaten der gesundheitlichen Versorgung und der Vorsorgeprogramme, Routineuntersuchungen von Schülern und vorliegenden Daten von Registern, Einzelstudien und aus dem Meldewesen nach dem Infektionsschutzgesetz decken die heute relevanten Themen entweder nicht ab oder lassen wegen ihrer Beschränkung auf Teilaspekte, Altersgruppen und Regionen sowie wegen inkompatibler Erhebungsmethoden keine bundesweit gültigen, über Raum und Zeit vergleichbaren Aussagen zu.
Informationsgrundlage für Maßnahmen notwendig
In der öffentlichen Diskussion trifft man oft genug auf Behauptungen, die Verbreitung bestimmter Gesundheitsprobleme habe neuerlich drastisch zugenommen. Da es an geeigneten Vergleichsdaten fehlt, besteht das Risiko einer Fehlbeurteilung mit all ihren Konsequenzen für das Gesundheitswesen und die Solidargemeinschaft.
KiGGS liefert verlässliche Daten
Vor diesem Hintergrund ist es sinnvoll, mit der KiGGS-Studie am Beginn des 21. Jahrhunderts die gesundheitliche Situation der nachwachsenden Generation in Deutschland zu untersuchen und verallgemeinerungsfähige, über Ort und Zeit vergleichbare Daten und Erkenntnisse zu gewinnen. Dabei werden viele verschiedene Ebenen der gesundheitlichen Lage abgebildet wie z. B. körperliche, seelische und soziale Gesundheit, bestehende Risiko- und Schutzfaktoren sowie Gesundheitsverhalten und Lebenslage. Die Verknüpfung dieser Ebenen ermöglicht zeitgemäße und wissenschaftlich tragbare Erkenntnisse über die gesundheitliche Situation von Kindern und Jugendlichen.
Den gesellschaftlichen Wandel beobachten
Da die Bedingungen für Gesundheit einem ständigen Wandel unterliegen, wird die KiGGS-Studie als Langzeitstudie fortgesetzt. Wiederholte Datenerhebungen sollen Aussagen über die Entwicklung der gesundheitlichen Lage in Deutschland ermöglichen. Die dauerhafte Einbeziehung der Teilnehmer der Basiserhebung wird darüber hinaus wichtige Erkenntnisse liefern, welche komplexen Zusammenhänge Gesundheit und Krankheit im Lebensverlauf vom Kind zum Erwachsenen beeinflussen.
Stand: Mai 2011